Reanimation

Klinische Essentials

Entscheidende Faktoren

  • Erkennen der Notwendigkeit von Reanimationsmassnahmen
  • Sofortige qualitativ hochwertige Thoraxkompressionen ohne unnötige Unterbrechungen
  • Frühzeitige Defibrillation
  • Suffiziente Ventilation und Oxygenierung bei länger dauerndem Kreislaufstillstand

Thoraxkompression

  • Frequenz mind. 100/Min. (nicht mehr als 120/Min.)
  • Bei Erwachsenen: mind. 5 cm und möglichst nicht tiefer als 6 cm Kompressionstiefe, bei Kindern und Säuglingen: mind. ⅓ AP-Durchmesser (Kinder ca. 5 cm, Säuglinge ca. 4 cm)
  • Vollständige Entlastung des Brustkorbs ermöglichen
  • Unterbrechungen der Thoraxkompressionen minimieren (< 10 Sek.)
  • Zweihelfer-Reanimation: alle 2 Min. mit Thoraxkompressionen abwechseln

Ventilation

  • 1 Sek. Inspirationsphase; Beatmungsdruck < 30 cm H2O halten (vermeiden der Mageninsufflation)
  • Gesicherter Atemweg: Bei Erwachsenen 1 Beatmung alle 6 Sekunden (10/Min.) und bei Kindern 1 Beatmung alle 2 bis 3 Sekunden (20-30/Min.)
  • ETCO2 > 1.5 kPa
  • Auf sichtbare Thoraxhebung achten

Defibrillation

  • Während der Ladephase des Defibrillators Thoraxkompression weiterführen
  • Nach Defibrillation kein Rhythmus-/Puls-Check, unverzüglich mit Thoraxkompression weiterfahren

BLS-AED Massnahmen

Nach: AHA-Richtlinen 2020

iv-Zugang/Timing Medikamente

  • Falls Schwierigkeiten mit iv-Zugang, auf intra-ossären (io)-Zugang wechseln
  • Adrenalingabe: 1 mg alle 3 bis 5 Minuten. Bei initialer PEA oder Asystolie erfolgt die Adrenalingabe so früh wie möglich
  • Antiarrhythmika-Gabe
    – Amiodaron (Cordarone): 300 mg als Bolus nach dritter Defibrillation, Repetition nach fünfter Defibrillation mit 150 mg Bolus oder
    – Lidocain: 1-1.5 mg/kgKG nach dritter Defibrillation, Repetition nach fünfter Defibrillation mit 0.5-0.75 mg/kgKG
  • Kein Unterbruch der Thoraxkompression für das Legen des iv-Zugangs und der Medikamentengabe

Massnahmen nach ROSC (Return of Spontaneous Circulation)

Mit Wiedererlangen des spontanen Kreislaufs sind folgende Massnahmen zu ergreifen:

  • Oxygenierung und Ventilation optimieren (SaO2  ≥  94%), Intubation, keine Hyperventilation (Normokapnie), Kapnografie-Monitoring
  • Schockbehandlung: iv Flüssigkeits-Bolus, Vasopressoren, Therapie reversibler Ursachen  
  • 12-Ableitungs-EKG (bei STEMI → Katheterlabor)
  • eFAST-Kontrolle (Verletzungsfolgen der Reanimation)
  • Temperatur nicht über 36 °C ansteigen lassen

Indikationen für ECMO (eCPR)

Herzstillstand ohne ROSC > 10–20 Min. mit folgenden Bedingungen:

  • Intoxikationen, Lebenszeichen unter CPR (exkl. Schnappatmung)
  • No-Flow Time < 5 Min. oder Low-Flow Time < 60 Min. mit ETCO2 ≥ 1.33 kPa bei VF, VT (Kammerflimmern, Kammertachykardie) bzw. tachykarder PEA
  • Hypothermie, d.h. < 32 °C (Kalium ≤ 8 mmol/l)

Herzstillstand-Algorithmus (Erwachsene)

Nach: AHA-Richtlinien 2020

BLS-AED-Algorithmus für professionelle Helfer

Nach: AHA-Richtlinien 2020

Kriterien für den Abbruch der Reanimation (allowance of natural death = AND)

Reagiert der Patient nach korrekten Reanimations-Massnahmen (Defibrillation/Adrenalin) nicht und liegen keine unmittelbar therapierbaren Ursachen vor, werden aktiv folgende Kriterien für den Abbruch geprüft:

  • Suchen und Auffinden einer Patientenverfügung
  • Kontaktaufnahme mit Hausarzt/Vorbetreuenden und Angehörigen während laufender Reanimation
  • Konsultation vorbestehender medizinischer Akten
  • Asystolie während 10 Min. trotz lege artis durchgeführtem ACLS
  • Fokussierte Echokardiografie zeigt keine mechanische Aktivität ± Spontankontrast
  • No Flow Time > 5 Min. oder Low Flow Time ≥ 60 Min.
  • ETCO2 permanent < 1.5 kPa

Quellen/Links

 

Dr. Robert Sieber
Dr. Gian-Reto Kleger
Dr. Elke Schmidt
Helge Schneider
Dr. Daniel Weilenmann

Lizenz

Kardiovaskuläres Manual 2021 aktuell Copyright © 2021 Kantonsspital St.Gallen. Alle Rechte vorbehalten.

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